Carrie (2013)

Carrie

Originaltitel: Carrie

Laufzeit: 105 Minuten

Regie: Kimberly Peirce

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Carrie ist eine schüchterne junge Frau, die unter den stets wachsamen Augen ihrer religiös-fanatischen Mutter aufwächst. Sie hat keine Freunde und ist das Gespött der Schule. Dabei ahnt niemand etwas von ihren telekinetischen Fähigkeiten. Als Carrie auf ihrem Abschlussball das Opfer eines hinterhältigen Streiches wird, kommt es zur Katastrophe.

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Brian De Palmas Carrie funktioniert auf vielfache Art. Er ist einer der besten Horrorfilme, einer der besten De Palma-Filme und eine der besten King-Verfilmungen aller Zeiten. Sogar Stephen King selbst soll einmal gesagt haben, das Ende des Films gefalle ihm besser als das Ende in seinem eigenen Buch. Auch wenn einige von de Palmas Stilmitteln etwas unvorteilhaft gealtert sind, waren es dennoch große Fußstapfen, in die das Remake treten musste. Glücklicherweise hat man sich für die recht unbekannte Kimberly Peirce in der Regie entschieden. Sie begann ihre Karriere im Jahr 1999 mit dem preisgekrönten Drama Boys Don’t Cry, und tatsächlich ist Carrie erst ihr dritter Langfilm.

Seit einiger Zeit schießen die Remakes wie Pilze aus dem Boden, und beinahe alle sehen sich vor dem gleichen Problem. Bleibt man zu nah an der Originalvorlage, um die Fans zufriedenzustellen, heißt es, der Film sei vorhersehbar und überflüssig. Ändert man die Geschichte, um neue Fans anzusprechen, dann heißt es, die Geschichte sei zu weit vom Original entfernt und somit uninteressant und überflüssig.

Dabei war Carrie ursprünglich gar nicht als Remake angekündigt, sondern als neue Umsetzung von Stephen Kings Romanvorlage. Tatsächlich hat man die Geschichte um einige Szenen erweitert, aber das war es dann auch schon mit den Neuerungen. Die meiste Zeit hat man das Gefühl, man sieht De Palmas Film im neuen Gewand. Viele Sequenzen sind gleich, sogar ganze Dialoge wurden komplett übernommen. Hie und da hat man versucht, die Handlung an unsere Zeit anzupassen, trotzdem hat man beim Ansehen irgendwie das Gefühl, die Geschichte sei in den 70ern hängen geblieben.

So großartig Chloe Grace Moretz den Charakter der Carrie spielt, verdient doch Julianne Moore als Carries Mutter ein besonderes Augenmerk. Sie ist geradezu brillant in der Rolle der religiösen Fanatikerin, die hinter allem und jedem Sünde und Verderbnis vermutet. Ihrer völligen religiösen Verblendung verfallen, will sie ihre Tochter vor allem Neuen und Weltlichen beschützen und trägt damit doch nur zu der Katastrophe bei, vor der sie ihre Tochter immer bewahren wollte.

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Fazit: Carrie ist alter Wein in neuen Schläuchen. In der Masse der Remakes ist es meiner Meinung nach aber eines der Besseren. Die alte Geschichte wurde aufgehübscht und weiß mit tollen Bildern, zeitgemäßen Effekten und überzeugenden Schauspielern zu unterhalten. Auch wenn der Film von Publikum und Kritik größtenteils verrissen wurde, hatte ich doch meinen Spaß.

© Tobias Schumacher

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Carrie wird von ihrer religiös fanatischen Mutter streng erzogen. Aus diesem Grund wird sie von ihren Mitschülerinnen und -schülern ständig gehänselt und drangsaliert. Irgendwann entdeckt Carrie, dass sie, wenn sie wütend ist, telekinetisch begabt ist und Gegenstände kraft ihrer Gedanken bewegen kann.
Auf dem Schulabschlussball wird Carrie dann ein derart demütigender Streich gespielt, dass sie durch ihre telekinetischen Fähigkeiten eine Katastrophe auslöst.

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Mit Neuverfilmungen, Remakes oder Neuinterpretationen ist das immer so eine Sache. In der Regel gehe ich an solche Filme mit gemischten Gefühlen entgegen, wobei ich der neuen Version immer eine Chance gebe, denn Originale sind nicht immer das Nonplusultra, wenngleich so etwas auch in der Regel selten passiert.
Peirce hat etwas geschafft, von dem ich dachte, dass es in der heutigen Zeit gar nicht mehr möglich ist: eine alte Vorlage gekonnt übernommen und ein paar Kleinigkeiten der Gegenwart angepasst, so dass der Stoff hochaktuell und erschreckend wirkt.
Die Hauptdarstellerin Chloe Grace Moretz überzeugt (hat sie mich auch schon in „Hugo Cabret“) und kann Sissy Spacek oftmals das Wasser reichen. Auch wenn die Regisseurin den dePalma-Klassiker nahezu „kopiert“ hat (wie damals Gus van Sant Hitchcocks „Psycho“ neu auf die Leinwand gebannt hat), so geht sie doch „zwischen den Bildern“ eigene Wege, die Spass machen und eindeutig zeigen, dass sie das Regiehandwerk beherrscht.
„Carrie“ ist ein Film für alle, die den alten Film nicht kennen, aber auch für diejenigen, die dePalmas Meisterwerk in einem frischen Gewand sehen wollen. Erstaunlicherweise hat mich an diesem Film nichts gestört. Julianne Moore als fanatische-religiöse Mutter hätte man nicht besser auswählen können. Diese Rolle war für mich eindeutig besser besetzt als damals Piper Laurie.
Auch wenn Peirce so manche Szene fast detail- und szenengetreu von Brian dePalmas Streifen nachgefilmt hat, wirkte die neue „Carrie“ für mich nie nachgemacht.

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Fazit: Remake der grandiosen Stephen-King-Verfilmung von Brian dePalma. Peirce hält sich sehr dicht an die Vorlage (sowohl des Buches als auch des Originalfilms), entwickelt aber dennoch eine ganz klare eigene Handschrift, die sich in einer stimmungsvollen Atmosphäre widerspiegelt, die die Neuinterpretation teilweise sogar besser erscheinen lässt, als den dePalma Klassiker.

© Wolfgang Brunner

Ein Gedanke zu “Carrie (2013)

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