Noah (2014)

Noah

Noah (2014)

Originaltitel: Noah

Lauflänge: 138 Minuten

Regie: Darren Aronofsky

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Schritt für Schritt zerstört der Mensch die Erde. Bäume und Pflanzen gibt es nicht mehr, Tiere werden bei lebendigem Leibe gefressen, Mord und Vergewaltigung stehen an der Tagesordnung. Noah und seine Familie sind die letzten guten Menschen in dieser verrohten Welt. In einer Vision deutet er den Auftrag des Schöpfers, ein Paar jeder Tierart vor der drohenden Sintflut zu retten, die den Menschen endgültig von der Erde tilgen soll. Mit Hilfe der Nephilim, der gefallenen Engel, die bei der Berührung mit der Erde zu steinernen Riesen wurden, beginnt Noah mit dem Bau seiner Arche. Doch so leicht will sich die restliche Menschheit ihrem Schicksal nicht ergeben.

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Noah hatte keinen leichten Start. Schon vor der Veröffentlichung schrie das amerikanische Publikum Blasphemie, und in den arabischen Ländern wurde der Film komplett verboten. Religion ist nun einmal ein sensibles Thema, besonders dann, wenn man sie so frei interpretiert, wie Aronofsky es getan hat. Denn wer bei Noah eine klassische Bibelverfilmung im Stil von Die zehn Gebote erwartet, der hat sich getäuscht.

Durch industriellen Fortschritt betreibt der Mensch Raubbau an der Erde. Wo es früher Seen, Wiesen und Wälder gab, sind nur noch unendliche, steinerne Wüsten geblieben. Respekt vor menschlichem oder tierischem Leben erhofft man sich vergeblich. Das Thema ist also brandaktuell, und durch den zeitlosen Look könnte man meinen, man befindet sich in der nahen Zukunft, in der eine vom Menschen verursachte Apokalypse bereits stattgefunden hat. Umso deutlicher spürt man so manches Mal den erhobenen Zeigefinger des Films.

Eine weitere Bereicherung dieser postmodernen Geschichte ist der Charakter des Noah, brillant dargestellt von Russell Crowe. Verfolgt er am Anfang noch das edle Ziel, den Fortbestand der Tiere zu sichern, steigert er sich mehr und mehr in Fanatismus, deutet göttliche Zeichen, wo es scheinbar keine gibt, verfällt seinem religiösen Wahn, um dann am Ende schließlich selbst vor Mord nicht zurückzuschrecken. So hat Aronofsky aus Noah nicht einfach den frommen Helden der Bibel gemacht, sondern einen Menschen voller innerer Zerrissenheit, der an der ihm übertragenen Aufgabe zu zerbrechen droht.

Untermalt wird die Geschichte nicht nur von einem bombastischen Soundtrack von Clint Mansell, sondern auch durch die für Aronofsky typische Symbolhaftigkeit. Bei ihm gehen Schöpfung und Evolution Hand in Hand, das Wort Gott wird nicht ein einziges Mal erwähnt, sondern nur vom Schöpfer gesprochen und Adam und Eva werden zu leuchtenden, übermenschlichen Wesen.

Aronofsky hat es geschafft, die Moral der Geschichte von den religiösen Aspekten loszulösen und so in breitem Maße auf unsere industrialisierte, von Feindseligkeit, Kriegen und religiösem Fanatismus zerrüttete Zeit zu übertragen. Es ist schade, dass sich gerade Gläubige von dieser Herangehensweise in ihrem religiösen Empfinden gekränkt fühlen, zeigt der Film doch, wie aktuell die Erzählungen der Bibel auch heute noch sind.

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Fazit: Eine bildgewaltige Apokalypse, die unserer modernen Industriegesellschaft den Spiegel vorhält, Charaktere, deren Leid und Verzweiflung man bis in jede Faser spürt, und ein facettenreicher Noah, den man liebt, hasst und bemitleidet. Für mich eines der ersten großen Highlights des Kinojahres.

 © Tobias Schumacher

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3 Gedanken zu “Noah (2014)

  1. Das ist eine sehr gelungene Besprechung, die mich jetzt noch neugieriger auf den Film macht, als ich ohnehin schon war. 🙂

  2. Gestern habe ich nun auch „Noah“ endlich gesehen und kann Tobias‘ Besprechungen in jeder Hinsicht nur zustimmen.
    Russel Crowes Darstellung ist genial und am Ende haben mich drei Szenen derart zum Weinen gebracht, wie ich es seit „Titanic“ nicht mehr erlebt habe. 😉
    Das ist wirklich ganz großes, visionäres Kino.

  3. Pingback: Dark Skies – Sie sind unter uns (2013) | Film-Besprechungen

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